AGNIESZKA BRZEZANSKA
VENUS CONJUNCT
ERÖFFNUNG FREITAG, 26. JUNI 2009, 18 UHR
AUSSTELLUNG 27. JUNI – 8. AUGUST 2009, DI – SA 11-18 UHR
Agnieszka Brzezanska fotografiert, filmt und malt Bilder, die sie im alltäglichen Leben umgeben, auf die ihr Blick stößt und in denen sie eine Bedeutung wahrnimmt. Im gleichwertigen Nebeneinander machen die unterschiedlichen Arbeiten ihre Interpretation von Wirklichkeit sichtbar ohne etwas manifestieren zu wollen. Agnieszka Brzezanska’s Welt ist rätselhaft, die je nach Medium mehr oder weniger abstrakt in all ihrer Einfachheit, aber auch Schönheit gezeigt wird.
In der Ausstellung „Venus Conjunct“ richtet die Künstlerin ihren Blick zum Sternenhimmel, vor allem zum Mond und der Venus, dem von der Erde am besten sichtbaren Planeten, und öffnet damit das große Feld des Unsichtbaren und nicht Erklärbaren des galaktischen Systems. Mit ihren Fotografien hält sie von ihr entdeckte und bis dahin im Verborgenen existierende Konstellationen fest, die Verbindungen zwischen der Erde und dem Himmel schaffen. So könnte auf einer Fotografie der Mond eine kugelrunde Straßenlaterne sein, die sich in eine Reihe von weiteren Laternen einfügt. Ebenso könnten die Straßenlaternen eine Vervielfältigung des Mondes sein.
Währenddessen wird ihre Malerei zur visuellen Stellvertreterin des abstrakten und ungreifbaren Phänomens Weltall. Die Bilder haben keinen Anfang, kein Ende, kein Zentrum und sie stellen nichts dar. Blaue Farbe in Spiralen aufgetragen und übersäht mit kleinen Klecksen von weißer Farbe suggerieren einen Himmelsausschnitt, zeigen aber gleichzeitig wie diese Illusion erzeugt wurde. Das Spiel erstreckt sich bis in die von der Künstlerin verwendeten Medien und führt zu der Frage, ob sich in der Malerei eventuell doch ein „Ab-Bild“ verbirgt, dafür die Fotografie nichts von dieser Welt sichtbares wiedergibt.
Agnieszka Brzezanskas Film „Paris“ resümiert diese möglichen Entdeckungen. Ein Guckloch in einem Poster, das eine Schönheit abbildet, fokussiert die Sonne und lässt ihre sterngleichen Strahlen durchblitzen. Die kleine Sonne, die hier entsteht – das Guckloch – befindet sich dabei vielsagend auf der Stirn des Models und markiert damit zugleich den Punkt, an dem sich Kosmos und Welt trifft.
Doch auch hier schwingt ein subtiler Humor der Künstlerin mit, wenn sie die Vorgänge entlarvt und dem Besucher medial offen legt: das Wackeln und Zoomen der Kamera, die Entstehung der Reflexion sind denkbar irdisch.
Und dennoch, trotz der Offenlegungen und Entdeckungen, wenn sich diese leisen Arbeiten so sehr selbst beleuchten, rufen sie eine Atmosphäre des Metaphysischen und Spirituellen hervor und stellen in Frage, was wir sehen und was wir glauben zu sehen, beziehungsweise ob wir an das glauben, was wir nicht sehen. Man fühlt sich veranlasst die Augen zu reiben. Agnieszka Brzezanska ruft den Kanon an Theorien, Zweifeln und Glauben an die kosmische Ordnung und den Einfluss des planetaren Lebens für unser Leben auf. Sie hält es in der Schwebe mitzuteilen, woran sie glaubt, aber sie öffnet eine Welt, die Sehnsucht hervorruft in all ihrer Undefinierbarkeit und Rätselhaftigkeit und die immer wieder in der großen Frage mündet, ob das menschliche Schicksal von den großen Dramen der Galaxie beeinflusst ist.