CORNELIA SCHMIDT-BLEEK
DER MONDBERICHT
ERÖFFNUNG FREITAG, 30. JANUAR 2009, 18 – 21 UHR
AUSSTELLUNG 31. JANUAR – 14. MÄRZ 2009, DI – SA 11 – 18 UHR
Ein Röntgensatellit, der astronomische Beobachtungen im dunklen Weltraum durchführt, hat bestätigt, dass 99 Prozent des Universums unsichtbar ist und 90 Prozent davon aus Partikeln besteht, die noch nie auf Erden gesehen worden sind. Hierbei bleiben viele Fragen unbeantwortet, viele Geheimnisse bewart, aber auch Möglichkeiten offen.
In der Ausstellung Der Mondbericht begibt sich Cornelia Schmidt-Bleek auf die Suche nach dem Un-sichtbaren. Aus einer über Generationen naturwissenschaftlich geprägten Familie stammend, erforscht und ordnet die Künstlerin die Welt auf ihre eigene Weise. Ausgangspunkt für die Ausstellung war das Buch Der Mondbericht von ihrem Großvater Karl Georg Schmidt aus dem Jahr 1949, eine Forschungsar-beit zur Kontinentalverschiebung in Verbindung zur Entstehung des Mondes. Seit längerer Zeit herrsch-te eine Revolution des Mikrokosmos und mit Hilfe von verfeinerten Geräten und Theorien konnten nun Teilchen kleiner als die für das Auge sichtbar entdeckt, und neue Welten von unglaublichen Dimensio-nen erfasst werden. Die Landschaft des Unsichtbaren wurde erweitert, größtenteils mit Hilfe der Mikro- und Makrooptik in der Fotografie.
Auch bei Cornelia Schmidt-Bleek wird der Mond zur Experimentierebene. Die Arbeiten beruhen auf Licht, Staub, Dunkelheit, Wissen und die Möglichkeiten ihrer Darstellung. So untersucht die Künstlerin das Verhältnis zwischen Fotografie und Zeichnungen, beides Künstlertechniken, die in den Naturwis-senschaften als Darstellungsform eine maßgebliche Rolle spielen. In der Arbeit Firsoff: Stage III setzt Cornelia Schmidt-Bleek die kartographische Erfassung des Mondes des schwedischen Physikers V.A. Firsoff fort. Als Amateurwissenschaftler schuf er 1961 den so genannten Mondatlas, und stellte bewusst das Medium Zeichnung als Mittel zur Darstellung der Mondoberflächen über die Fotografie. In Form einer großen mehrteiligen Photogramarbeit, zeichnet die Künstlerin mit Hilfe von Sand und Salz das Original nach, und schafft wiederum ein fotografisches Unikat.
In einer weiteren Arbeit wird Basaltstaub, den die NASA als Imitation von Mondstaub verwendet, mit dem Objektiv und Licht eines Diaprojektors optisch vergrößert an die Wand projiziert. Es entsteht ein mystisch abstraktes Bild, das an eine Mondlandschaft erinnert.
Der Eingangsbereich bildet ein Kabinett der Legenden und Kuriositäten um den Mond: eine Kachel, auf der man einen angeblich auf den Mond geschmuggelten Chip mit eingeprägten Kunstwerken unter anderem von Rauschenberg und Oldenburg erkennen kann. Eine Glasgravur, die Man Rays Fotografie „Dust Breeding“ zitiert, ein Detail von Duchamps Großem Glass nachdem es ein Jahr dem Staub ausge-setzt wurde. Daneben sieht man wiederum mit einem Fotoautomaten erstellte Aufnahmen, die von Fred Wipple fotografierte Mondhälften spielerisch neu zusammensetzen. In einer kleinen Serie von Arbeiten verbindet die Künstlerin das Mare Orientale, ein halb sichtbar, halb unsichtbarer Bereich des Mondes, mit der Zwirbeldrüse, dem Bereich des menschlichen Hirn, der für unseren Tag/Nacht und hell/dunkel Rhythmus zuständig ist und den Descartes als Sitz unserer Seele bezeichnet hat.
Damit verwebt Cornelia Schmidt-Bleek Anekdoten und freie Assoziationen mit faktischem Wissen und öffnet einen wissenschaftlich nicht mehr beweisbaren Blick auf die Oberfläche des Mondes.