Simon Dybbroe Møller
ON ILL WINDS AND LOSS OF SANITY, PART II
Eröffnung am Freitag, 27. April 2007, 18 - 22 Uhr
Ausstellung 28. April - 23. Juni 2007
Öffnungszeiten Di - Sa 11 - 18 Uhr
Reflexion und Klang, Wind und Licht, Zeit und Bewegung sind die immateriellen Elemente, welche die Ausstellung von Simon Dybbroe Møller durchziehen. Mit zufälligen oder spielerischen Mitteln schafft er eine nostalgische Stimmung, die auf einem konzeptuellen Ansatz basiert. Mit kleinen Verschiebungen, die eingebettet sind in eine Vielzahl von Erzählungen, reproduziert und zitiert Simon Dybbroe Møller Vergangenes.
Ein Wind bläst durch die Galerie, die Tür und ein Fenster stehen offen, gehalten von einem Modell einer Außenskulptur aus einer Region in Kalifornien und einem Silberlöffel aus Venedig. Zwei Orte, die bekannt sind für die krankmachenden Winde Santa Ana und Scirocco. In der Ausstellung erweckt der Wind allerdings die Arbeit DEAD BbAGGAGE zum Leben, ein Windspiel aus abgebrochenen Glasröhren, dessen Töne mit den Buchstaben des Titels korrespondieren. Der Ausgangspunkt für die Arbeit, die eine Zusammenarbeit mit Jacob Dahl Jürgensen ist, ist das Video Violin tuned D.E.A.D. von Bruce Nauman, in dem er nach dem gleichen Prinzip in einem geschlossenen Raum die vier Töne auf einer Violine spielt. Während es bei Bruce Nauman um die Erfahrung von Körper und Raum und die Frage nach menschlicher Identität geht, löst das Windspiel im wortwörtlichen Sinne die Frage nach dem Gepäck der Vergangenheit und seiner Bedeutung für die Gegenwart aus.
Ähnliches hinterfragt die Videoarbeit Pantomima della Stella Gigante. Vier Pantomimen stellen das bekannte Foto von vier Technikern nach, die ein großformatiges Frank Stella Gemälde halten. In der Version von Simon Dybbroe Møller ist allerdings das Kunstwerk verschwunden, ein imaginäres Bild wird gehalten und nicht das Gewicht, sondern die zeitliche Dimension veranlasst die Schauspieler nach einer gewissen Dauer das Bild „abzustellen“ und aus dem Videobild herauszugehen. Nur für einen kurzen Augenblick scheint das Gemälde wieder aufzutauchen, es ist das Geräusch des Abstellens, das als einziger Ton in dem Video zu hören ist.
Musik, das wohl direkteste Medium, um ein Gefühl aus vergangenen Zeiten auf „repeat“ zu stellen, verbindet Simon Dybbroe Møller in einer weiteren Videoarbeit mit einer Ruine der Moderne, dem 91m hohen „Szkieletor“ in Krakau, das als modernes Hochhaus geplant, nie fertig gestellt wurde und nie etwas anderes war als eine Ruine. Die gefilmte Ruine wird als Projektion wiederum gefilmt, während Simon Dybbroe Møller den paradoxen Versuch unternimmt auf den Film, in dem keine Handlung sichtbar wird, mit Musik zu reagieren. „Wir kommen zu spät, das Ereignis hat stattgefunden, wir bewohnen die Ruinen, die es zurückgelassen hat. Andererseits erkennen wir uns (...) in diesem gebrochenen Verhältnis selbst. Die Ruinen, die wir bewohnen, sind der Ort, an dem wir leben und damit immerhin eine Art Zuhause.“*
Die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit zu sehen ist der Leitfaden der gesamten Ausstellung. Am deutlichsten wird man sich diesem Gedanken bewusst, wenn man eine Portraitserie von Malern abstrakter Gemälde betrachtet. Abbildungen ihrer Gesichter reflektieren sich in geometrischen Spiegeln, welche die Grundformen ihrer eigenen Bildkompositionen aufnehmen. Diese Spiegelbilder werden wiederum in einer Fotografie festgehalten. Die Reproduktion einer fragmentierten Vergangenheit als unsere Gegenwart, das ist die Nostalgie, zu der uns Simon Dybbroe Møller führen möchte.
*Jan Verwoert „Es ist dasselbe alte Lied, aber mit einer anderen Bedeutung seit du gegangen bist“, erscheint im Katalog: Simon Dybbroe Møller „Like an origami gone wrong“, Hrsg. Aarhus Kunstbygning und Kunstmuseum Thun, jrp | ringier
„On ill winds and loss of sanity, part II“ ist eine Fortsetzung der Ausstellung, die im März 2007 von westlondonprojects in London gezeigt wurde. Parallel zur jetzigen Ausstellung wird Simon Dybbroe Møller auf Einladung des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz eine Außenraumarbeit von April bis Ende September 2007 am Platz realisieren.