Kate Davis
THE CLEAR STARK VISION IS GETTING LOST AGAIN
Eröffnung Freitag, 14. September 2007, 18 – 21 Uhr
Ausstellung 15. September – 27. Oktober 2007
Öffnungszeiten Di – Sa 11 – 18 Uhr
Auf eine persönliche Weise hinterfragt Kate Davis Auswirkungen, die bedeutende Kunstwerke aus der Zeit der Moderne für die Gegenwart haben können. In ihren sorgfältig strukturierten Installationen nimmt Davis sowohl stilistisch als auch inhaltlich Bezug auf Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts wie Käthe Kollwitz, Faith Wilding oder Barbara Kruger. Indem sie in ihren Zeichnungen oder Fotografien selbst auftaucht, platziert sie sich als eine Künstlerin der heutigen Zeit bewusst in die Auseinanderset-zung. Mit Ausstellungstiteln wie "I want to function in the present time", "Your body is a battleground still" oder "Waiting in 1972; What about 2007?" überprüft sie die komplexen Wechselwirkungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei tauchen immer wieder Körper, Körperteile oder körperliche Spuren in ihrer Arbeit auf, die Kate Davis fragmentarisch zusammenstellt, um eine neue, poetisch und poli-tisch zeitgenössische Bedeutung zu schaffen.
Im Zentrum der Ausstellung "The clear stark vision is getting lost again" steht die gleichnamige Installation, die sich aus Gipsobjekten, Zeichnungen, acht großformatigen Fotografien und dem Sound einer sich öffnenden und schließenden Tür zusammensetzt. Die im Grundriss nahezu identischen zwei Ausstellungsräume der Galerie führten Kate Davis zu Joan Jonas Performance "Mirror Piece" aus dem Jahr 1970, in der Frauen ihre Körper mit Spiegeln bedeckten, das Publikum damit spiegelten und selbst zum passiven Objekt wurden.
Kate Davis zeitgenössische Übernahme ist keine Wiederholung, sondern ein Weiterführung, indem sie sich als ihr eigenes Publikum selbst reflektiert: auf einer der Fotografien sieht man die Künstlerin, einen großen Spiegel haltend und sich selbst darin spiegelnd. Die Haltung der ursprünglichen „Objekte“ ist damit in Frage gestellt. Die Installation ist aber nicht nur eine Weiterführung, sondern auch eine Ergänzung: auf einer anderen Fotografie hält sie ein Stück Filz, das in seiner Materialität an Undurchlässigkeit denken lässt. Die Bewegung von einem Material zu dem anderen, von Transparenz zur totalen Dichte, wird noch durch das Geräusch einer sich öffnenden und schließenden Tür verstärkt.
Mit weiteren räumlichen Eingriffen führt Kate Davis das Publikum vom Betrachten einer vergangen Aktion, festgehalten auf den „dokumentarischen“ Fotografien, zu einer physischen Wahrnehmung im Raum: die Größe der Fotografien, die auf Holztafeln montiert und an der Wand lehnend installiert sind, besitzen die gleiche Größe wie die Fenster in den Ausstellungsräumen. Die vier Motive aus dem ersten Ausstellungsraum sind im zweiten Ausstellungsraum gespiegelt installiert und nur durch einzelne Buchstaben, die auf die Fotografien gedruckt wurden, unterscheiden sie sich. Zusammengesetzt ergeben sie wiederum ein Wort.
Kate Davis visualisiert und fixiert, in ihrer Positionierung vor kunsthistorisch aufgeladenen Materialien wie Filz und Spiegel, Fragen nach der Aneignung von Geschichte und ihrer Bedeutung für unsere Identität. Der im Titel formulierte Verlust kann ebenso ein Potential beinhalten, das einen Raum zwischen Übermitteln und Erhalten, Vorausschauen und Empfangen, Wahrnehmen und Bewerten öffnet.
Unterstützt von
Vielen Dank an Sorcha Dallas, Glasgow