Zilla Leutenegger

‚Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen'

Eröffnung am Freitag, 10. März 2006, 19 - 21 Uhr Ausstellung vom 11. März - 22. April 2006
Öffnungszeiten Di - Sa 11 - 18 Uhr

Die Galerie Kamm freut sich, Zilla Leutenegger mit ihrer dritten Einzelausstellung in der Galerie zu präsentieren. Zilla Leutenegger arbeitet nicht nur parallel in verschiedenen Medien, sondern schafft unmittelbare, intermediale Verknüpfungen. Häufig entstehen ihre Arbeiten an der Schnittstelle von Zeichnung, Videoprojektion und Wandmalerei. In der aktuellen Ausstellung wird Zilla Leutenegger erstmals drei Videoreliefs zeigen, in denen sie skulpturale Elemente und Videobilder verbindet. Abstrakte Wandskulpturen aus Balsaholz werden zur Projektionsfläche für Videoaufnahmen und erhalten durch das auf sie projizierte Bildelement eine konkrete Bedeutung.

Die Aufnahmen der drei Videoreliefs Level 49 1-3 zeigen den Blick aus einem Hochhaus, genauer aus einem im 49. Stock gelegenen Hotelzimmer. Aus schwindelerregender Höhe fällt der Blick auf ein wirres Netz von übereinander gelagerten mehrgeschossigen Stadtautobahnen. Die sich kreuzenden Trassen lassen eine irritierende Tiefe entstehen, die sich in den Raum hinein fortsetzt: Die skulpturalen Wandelemente entsprechen dem abgebildeten Straßenverlauf. Die geräuschlosen Bilder des strömenden Verkehrs wirken auf seltsame Weise entrückt, fern und fremd, wie durch den Filter eines Traumes betrachtet. Anders als in den meisten Arbeiten Zilla Leuteneggers tritt in Level 49 1-3 kein Protagonist - häufig die Künstlerin selbst oder ein Alter Ego - in Erscheinung. Dennoch handelt es sich nicht um einen neutralen, sachlichen Blick. Die urbane Landschaft wird zum Spiegel für ein Gefühl des Entrücktseins von der umgebenden Welt. Diese Assoziationen werden durch die Monitorarbeit Schlafende unterstützt. Sie zeigt die schlafende Künstlerin in dem unspezifischen Ambiente desselben Hotelzimmers. Sie schläft, alleine in einem fremden Zimmer in einer fremden, sich unablässig bewegenden Stadt. Die subjektiv empfundene Distanz zu der ungewohnten Umgebung spiegelt sich in dem tatsächlichen, hoch über der
Stadt liegenden Aufenthaltsort der Künstlerin wieder.

‚Man läuft Gefahr, ein bisschen zu weinen, wenn man sich hat zähmen lassen' kreist um das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen urbanem und menschlichem Organismus. Zugleich vermitteln die Arbeiten aber auch die Erfahrung des Eingebettetseins in einen durch seine Fremdheit faszinierenden Kosmos.