C. Schmidt-Bleek, Michael Stevenson


"Keim"


Eröffnung am Freitag, den 6. Februar 2004 von 19-21 Uhr
Ausstellung vom 7. Februar bis 27. März 2004
Öffnungszeiten Mi - Fr 13-19 Uhr, Sa 13 - 18 Uhr

Die Galerie Kamm freut sich, Cornelia Schmidt-Bleek und Michael Stevenson in einer gemeinsamen Ausstellung zu präsentieren. Beide Künstler nehmen meist historische oder aktuelle Ereignisse als Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit und kommentieren und vernetzen diese mit den unterschiedlichsten Medien.
Das Thema ihrer Ausstellung „Keim“ ist die Vielschichtigkeit der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen, die sowohl von fruchtbarem Austausch als auch von Spaltung bestimmt sind. Cornelia Schmidt-Bleek und Michael Stevenson wählten zwei kleine, aber exemplarische Geschichten für die bilaterale Beziehung aus und entwickelten ein jeweils eigenes Projekt. Gleichzeitig spiegelt die Verknüpfung beider Erzählstränge die vielen Schattierungen des Erfolgs und Misserfolges bei dem Versuch das Fremde anzunehmen.

Eschscholzia Californica
Cornelia Schmidt-Bleek untersucht als exemplarische Geschichte der Kolonialisierung und des Austausches, die Verbreitung des Kalifornischen Mohns, der 1816 von dem deutschen Botaniker Adelbert von Chamisso entdeckt und nach Deutschland gebracht wurde. Der Versuch neu entdeckte Territorien durch Sammeln, Pressen und Untersuchen der Flora und Fauna zu verstehen, war oft der Keim für weitere Geschichten und verfolgt man ihre Reise, ist es eine Reise der Vermehrung und der Anpassung.
Dem gegenüber stellt Cornelia Schmidt-Bleek die aktuellen botanischen Untersuchungen des amerikanischen Militärs. Auf ähnliche Weise wie die historischen botanischen Sammlungen „überwacht“ das „Center for Environmental Management of Military Lands“ militärischen Grund und Boden, indem zum Beispiel botanische Bestandsaufnahmen und traditionelle Aquarelle erstellt werden. Dieses Vorgehen dient nicht nur der Inventur, sondern ist gleichzeitig ein Versuch durch den Vergleich mit der Vegetation zu Hause neue Einblicke in besetzte Gebiete zu bekommen.
Cornelia Schmidt-Bleek verknüpft mit verschiedenen Medien die Gegenwart mit der Vergangenheit. Ihre Stoffobjekte, die ein militärisches Netz und den Kalifornischen Mohn zitieren, sind sowohl von der Form als auch von der Farbe auf die Struktur reduziert. Neben einer Reproduktion eines Aquarells des CEMML von einem Rhododendron aus Deutschland befindet sich eine Zeichnung von der Reiseroute Chamisso’s. Cornelia Schmidt-Bleek öffnet dem Betrachter den Blick in eine Welt, die im Zeitalter des Fortschritts eine kaum vermutete Aktualität besitzt.

Schmutzgelbgraubraun
Das Projekt von Michael Stevenson dreht sich um den kürzlich entfachten Streit zwischen der etablierten deutschen Farbenfirma „Keimfarben“ und einem ihrer Kunden, der amerikanischen Regierung. Im Zentrum des Streites ist der Vertrag, der Keimfarben beauftragte das Pentagon zu streichen. Aufgrund der in letzter Zeit angespannten politischen Beziehungen zwischen den zwei Ländern wurde dieser beachtliche Vertrag gekündigt (einer der größten Einzelbestellung für eine monochrome Farbe) und mit der amerikanischen Firma „ChemMasters“ neu abgeschlossen.
Maßgeblich beteiligt war ein Kongreßabgeordneter aus einer Kleinstadt in Ohio, der mit seiner Kampagne gegen Keimfarben dieses Thema ins nationale Interesse rückte. In der regionalen Zeitung „The Plain Dealer“ aus Ohio wurde das gesamte Debakel ausgefochten, allerdings auf eine lokale und groteske Weise, indem die Heimatgefühle der Leser angesprochen wurden. Dieses Beispiel ist exemplarisch für die Verwurzelung der amerikanischen Demokratie im Regionalen.
Michael Stevenson zeigt als Versatzstücke eine Zeichnung eines Zeitungsartikel aus „The Plain Dealer“ in Kombination mit einer Abbildung eines Gemäldes von Norman Rockwell, der zum Thema seiner Bilder das Leben in amerikanischen Klein-städten wählte.
Weiterhin beauftragte der Künstler sowohl Keimfarben als auch ChemMaster ihm die exklusiv für das Pentagon gemischte Farbe „Schmutzgelbgraubraun“ zu liefern. In der Ausstellung sind sie als Farbmuster auf große Papierrollen an zwei ge- trennten Wänden zu sehen und der Betrachter kann kleine Proben abreißen, um sich selbst ein Bild von den Schattierungen des Zerwürfnisses zu machen. In einem weiter gefassten Sinn beleuchtet das Projekt die Geschichte der amerikanischen Malerei – der regionalen als auch der abstakten, die sich im politischen Agieren widerspiegelt.

Parallel zur Ausstellung in der Galerie ist eine Arbeit von Michael Stevenson in der Ausstellung „Berlin North“ im Hamburger Bahnhof, Berlin, zu sehen .

Bitte kontaktieren Sie die Galerie für weitere Informationen.