Ulrike Feser
„Outdoor Guy“
Eröffnung am Freitag, den 5. Dezember 2003, 19 - 21 Uhr
Ausstellung vom 6. Dezember 2003 - 31. Januar 2004
Ulrike Feser untersucht anhand der Fotografieserie „Meine Meinung“ und der Wandcollage „Outdoor Guy“ die Bedeutungsaufladung von Bildern durch gesellschaftliche Rituale und politische Ereignisse, die über die Medien Verbreitung findet und das subjektive Wahrnehmen beeinflusst.
„Zwei Fotografien der Serie "Outdoor Guy" zeigen zwei Mädchen, die auf dem hölzernen Sattel eines Kamels sitzen. Die beiden scheinen sich zu amüsieren. Das eine trägt ein T-Shirt mit dem Logo der Band "Slipknot", das andere kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Sie hat die Kapuze ihres schwarzen Sweatshirts aufgesetzt. Der karge Boden im Hintergrund ähnelt dem einer Wüstenlandschaft.
Die Szene ist verwirrend, denn die visuellen Elemente, die darin zusammenkommen, kennt man aus anderen Zusammenhängen. "Slipknot" war die Lieblingsband des Erfurter Amokläufers Robert Steinhäuser – für eine alarmistische Presse das Musterexemplar aus der Gattung des gefährlichen Jugendlichen. Das Kamel dagegen ist Teil einer Ikonographie der arabischen Kultur.
Dieser Moment der Verwirrung und der gleichzeitige Zwang zur Bildung von Assoziationsketten, die auf dem Wissen des Medienteilnehmers basieren, setzen sich in den anderen Bildern der Serie fort. So starrt auf einem Foto der Künstlerin der Rapper Eminem bedrohlich von einem Poster an der Wand eines Kinderzimmers, auf einem Zeitungsfoto sieht man Ermittler in Schutzkleidung an der Absturzstelle des Borderline-Politikers Möllemann, auf einem anderen ein Pferd, das sich auf eine Autobahn verirrt hat. Kuriositäten und Versatz- stücke medial inszenierter Bedrohungsszenarien addieren sich zum diffusen Bild einer Welt im Ausnahmezustand.
Indem sie eigene Produktionen und Fundstücke aus dem Medienangebot kombiniert, kommentiert Ulrike Feser kritisch ihre Arbeitsweise als Künstlerin und freie Fotografin. Keinesfalls möchte sie die "bösen" Medien denunzieren, um auf der anderen Seite die Reinheit ihrer künstlerischen Position zu behaupten.
Dass sich eine solche Haltung als illusionär erweist, führt sie mit den Fotos der zweiten Serie vor, die sie mit "Meine Meinung" betitelt hat. Die Bilder scheinen ein Gegenprogramm zur ersten Serie anzubieten: eine zum Konzertraum umfunktionierte Höhle, eine Wüstenlandschaft, das Unterholz eines Waldes, der Innenraum einer Kirche laden zur kontemplativen Betrachtung ein. Doch auch hier setzt die Drift der Bilder ein, unweigerlich drängen sich Querverweise zur Nachrichtenlage auf und die innerliche Reflexion erscheint als bloßer Reflex der Datenströme, für die das betrachtende Subjekt als Durchgangsstation dient.“ Robert Pitterle
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