Arceneaux, Banner, Pepperstein, Schäfer, Stark, Stevenson, Taylor
Edgar Arceneaux, Fiona Banner, Pavel Pepperstein, Albrecht Schäfer, Frances Stark, Michael Stevenson, Stephanie Taylor
Eröffnung am Freitag, 17. Oktober 2003, 19 - 21 Uhr
Ausstellung vom 18. Oktober - 29. November 2003
Öffnungszeiten Mi - Fr 13 - 19 Uhr, Sa 13 - 18 Uhr
Für die Künstler der Gruppenausstellung „Korrekturen“ ist sowohl Text als auch Zeichnung ein entscheidender Bestandteil ihrer Arbeit. Obwohl die Künstler für ihre Untersuchungen von Bild-Text Relationen unterschiedliche Ansätze und Methoden verwenden, sind alle Arbeiten davon bestimmt, mit Bild und Text Vorstellungen und Wahrnehmungen zu verschieben, neue Zusammenhänge herzustellen oder in Frage zu stellen. Dadurch, dass Zeichnung leichter als andere Medien Fehler und Korrekturen erlaubt, ist gerade dieses Medium geeignet, ein komplexes und dichtes Bild, bzw. Erzählung zu entwerfen, und es gleichzeitig als dynamischen Prozess darzustellen.
Für Fiona Banner und Frances Stark steht Text und Sprache sowohl formal als auch inhaltlich im Zentrum ihrer Arbeit .
Die Textarbeiten von Fiona Banner kreisen um den Punkt, an dem für Gedanken und Emotionen Sprache benötigt wird, um sie fassen zu können, aber die Begrenztheit von Sprache uns dies wiederum verwehrt. Die Tatsache, dass der Text nicht das sagt, was er ursprünglich sagen sollte, rückt in den Vordergrund. „the corrections...“ zeigt den Text in seiner Abwesenheit, übriggeblieben sind die Satzzeichen, die Architektur eines Gespräches ohne Inhalt.
Im Gegensatz dazu dekonstruiert und kommentiert Frances Stark Texte, die sie bewundert. In dem Bewusstsein, dass diese Sätze von jemand anderen schon geschrieben worden sind, überträgt sie den Text auf eine visuelle Ebene, um sich auf einer nostalgischen Art und Weise dem geschätzten Material zu nähern. Mit gewissenhafter Präzision reproduziert die Künstlerin mit Kohlepapier Buchstaben und Icons und formiert sie zu einem vielschichtig lesbaren Text und Bild.
Edgar Arceneaux und Michael Stevenson transportieren mit Text Versatzstücke ihrer komplexen Gedankenkonstukte. Dabei verwenden beide Künstler dokumentarisches Textmaterial.
Edgar Arceneaux untersucht sowohl das individuelle als auch kollektive Gedächtnis, indem er Elemente aus seiner alltäglichen Umgebung und persönlichem Hintergrund mit Auszügen aus Literatur, Geschichte, Film und Musik kombiniert. Die Triologie „Timetable of History“ verbindet eine historische Auflistung der Ereignisse während der Blütezeit der Bibliothek von Alexandria mit Prophezeiungen aus der amerikanischen Yellow Press. Das verlorene Wissen der Bibliothek von Alexandria als ein Raum der Wunschprojektionen von dem was wohl einmal existiert hat, spiegelt sich in der Sehnsucht, die Zukunft zu erklären, wieder.
Die Installationen von Michael Stevenson stellen Ereignisse aus der Kunstwelt in Zusammenhang mit gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Die Installation „Revolutionary Degas“ vernetzt westliche Konzeptkunst aus den 70iger Jahren mit den Konsequenzen der iranischen Revolution für die westliche Kunst: Michael Asher entfernt in Los Angeles die Trennwand zwischen Ausstellungsraum und Büro einer Galerie, während im Iran nach der Revolution auf Katalogabbildungen die Tänzerinnen aus Degas „Dancers Practicing at the Bar“ entfernt werden – und damit dem Bild eine ungewollt zeitgenössische Komponente verliehen wird. Indem Michael Stevenson den „zeitgenössischen“ Degas mit einer Ausstellungsbesprechung und Abbildung der Installation von Asher kombiniert, entsteht zwischen beiden eine irritierende Verwandtschaft.
Albrecht Schäfer und Stephanie Taylor entwickeln fiktive Geschichten, die Grundlage für die visuelle Umsetzung sind. Während Stephanie Taylor linguistische Strategien anwendet, aus der sich ihre Geschichten ergeben, orientieren sich die Fiktionen von Albrecht Schäfer an historische Begebenheiten und die Grenze zwischen Fiktion und Realität steht im Zentrum.
Albrecht Schäfers Ausgangspunkt für das „Malewitsch Museum Biberach“, von dem die Innenräume und die Geschichte des Museums als Zeichnung zu sehen sind, ist die wahre Begebenheit, dass der süddeutschen Kleinstadt Biberach Bilder von Malewitsch angeboten wurden. Die Stadt schlägt das Angebot aus und die Bilder werden nach Holland ins Stedelijk Museum Amsterdam verkauft. In Albrecht Schäfers Geschichtsschreibung kauft die Stadt Biberach die Sammlung und baut für sie ein eigenes Museum: das Malewitsch Museum Biberach.
Die Geschichten von Stephanie Taylor resultieren aus einer Kette von phonetischen Analogien und annagrammatischen Übersetzungen, welche die Erzählung an sich in den Hintergrund rücken lassen. Die von einem Illustrator angefertigten Zeichnungen in der Ausstellung tragen den Titel „hawing“ und „pre-sawing“ und verweisen damit auf „drawing“. Es sind Auszüge aus der Geschichte „Gutter Foal“, die im Zentrum der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Christian Nagel stand. Stephanie Taylor konfrontiert den Betrachter mit einer systematischen Übereinstimmung von Inhalt und Form und stellt sie gleichzeitig in Frage.
Im Zentrum der künstlerischen Praxis von Pavel Pepperstein, der Schriftsteller und Künstler ist, steht die Beziehung von Text und Bild und das unendliche Verweisen auf weitere Texte und Bilder. Es werden nicht nur Bild und Text der Massenkultur zitiert, sondern ihre inneren Mechanismen und Verfahren durch die Visualisierung von Halluzinationen und Träumen untersucht. In seinen neueren Arbeiten verwendet er Text als eine Matrize, die hinter den Bildern verborgen bleibt, aber den „illustrativen“ Inhalt der Halluzinationen bestimmt. Die in der Ausstellung präsentierten Zeichnungen thematisieren die Verflechtung von Text und Bild und damit seine Arbeitsweise.