Zilla Leutenegger, Valentin Carron



"DOPPEL" 8 Valentin Carron und Zilla Leutenegger


Eröffnung am Freitag, den 1.März 2002 von 19 - 21 Uhr
Ausstellung vom 2.März - 13.April 2002
Öffnungszeiten Mi - Fr; 13 - 19 Uhr, Sa 13 - 18 Uhr


In der achten Doppelausstellung präsentiert die Galerie Kamm die Schweizer Künstler Valentin Carron (*1977) und Zilla Leutenegger (*1968). In den Installationen Carrons steht ebenso wie in den Videoarbeiten Leuteneggers die Vergewisserung der eigenen Identität im Zentrum.

Die Installation von Valentin Carron scheint aus einer 140 x 70 cm großen Marmorplatte zu bestehen, die schräg im Raum steht und nur einem sie stützenden Ast zu verdanken hat, dass sie nicht umfällt. Das Material ist "falsch": sowohl die Platte als auch der Ast bestehen aus Kunststoff, der täuschend echt bemalt ist. Um diese Illusion zu erzeugen, hat Valentin Carron Handwerker aus seiner Region, dem Valois, beauftragt. Dies ist bezeichnend für seine Arbeit, in der immer wieder seine Herkunft, Tradition und Heimat auftaucht, die in Spannung zu dem post-konzeptionellen künstlerischen Diskurs steht, der ebenfalls in seinen Arbeiten zu finden ist. Er nimmt formal sowohl auf die Pop Art Bezug, indem der Alltagsobjekte vortäuscht und sie als Skulptur ausstellt, als auch auf die Arte Povera, indem er deren bevorzugte Materialien zitiert und sie im Sinne des magischen Symbolismus kombiniert.
Die Objekte, Stein und Ast, stehen wieder im direkten Zusammenhang zu seiner Herkunft, dem Valois. Indem er Materialien aus seiner Heimat rekonstruiert, vergewissert er sich ihrer immer wieder aufs neue und damit seiner selbst.

Zilla Leutenegger zeigt in der Ausstellung ihre Videozeichnungen "odds for tonight", die den Schlaf thematisieren. Zu einem Teil bestehen die Studien aus animierten Originalzeichnungen, zum anderen Teil aus Videobildern, die zu Zeichnungen reduziert worden sind. Die Studien blättern die Facetten des Schlafes auf: in einer Studie ist die Bewegung minimal, die Person schläft einen tiefen, ruhigen Schlaf und nur die Bettdecke hebt und senkt sich langsam. In einer anderen scheint die Person von unruhigen Träumen gebeutelt zu sein. In der Projektionsversion sieht der Betrachter weiße Linien auf schwarzen Hintergrund, der mit der Wand eins wird. Zilla Leutenegger nimmt die projezierten Linien auf und zeichnet direkt auf der Wand weiter. Damit verstärkt sie die Positionierung der Schlafenden im Raum. Der Betrachter sieht beim Schlafen und Träumen zu, betritt einen Raum der Intimität und Privatheit, der selbst wie ein Traum, ein Spiegel der Welt der inneren Bilder erscheint.
Es sind aus dem Alltag vertraute Sehnsüchte und Geschichten, auf die sich Zilla Leutenegger in ihrer Videoarbeiten beruft. Dabei versetzt die Künstlerin immer wieder ihre eigene Person in unterschiedliche Situationen: sie singt, sie vervielfältigt sich, schläft, tanzt oder sitzt alleine im Kinosaal. "Wir üben ein Leben umgeben vom Echo von Personen, denen wir ständig begegnet sind und die wir nie treffen werden. Zilla sind Viele, und doch ist nur eine wie Zilla: so Viele."(Hans-Rudolf Reust über Zilla Leutenegger im Katalog "Welcome in my dress / Zilla Leutenegger")