Lena Ziese
Lena Ziese "kurzer Moment, z.B."
Eröffnung am Freitag, den 11. Januar 2002 von 19-21 Uhr
Ausstellung vom 12. Januar - 23. Februar 2002
Öffnungszeiten Mi- Fr 13-19 Uhr, Sa 13-18 Uhr
In der Ausstellung "kurzer Moment, z.B." interpretiert Lena Ziese Identität als eigen- und fremdgesteuerte Formgebung von Subjekten. In verschiedenen Medien verbindet die Künstlerin die Frage nach Identität mit der künstlerischen Suche nach Form.
Zu sehen ist unter anderem eine Videoprojektion, die ein 6-jähriges Mädchen bei dem Versuch zeigt, einer einzigen Aufforderung zu folgen: still vor der Kamera zu stehen. Das Mädchen entwickelt dabei eine ganz eigene Strategie, mit dieser Aufforderung umzugehen. Sie schwankt zwischen einer in sich gekehrten Selbstdisziplinierung und einem vorsichtigem Blickkontakt mit der Kamera.
Neben der Videoprojektion liegt ein 28 Kilo schwerer Ball aus weicher Kinderknete. Er verliert durch sein Eigengewicht langsam die Form und gewinnt somit gleichzeitig eine neue. Die Materialität des Balles entspricht dem Verhalten des aufgeforderten Kindes: Beide werden zur Form gedrängt, die sie selbst verformen.
Diese und die weiteren Arbeiten der Ausstellung thematisieren das doppelte Gesicht der Identitätsbildung: Entsteht diese durch Einwirken von Außen, durch Beobachtung, Kontrolle, Reglementierung? Oder ist die Herausbildung einer identitätsstiftenden Differenz die schöpferische Entfaltung einer inneren, rätselhaften Individualität?
Lena Zieses Arbeiten zielen genau auf diese Unsicherheit, die in der Kindheit selbst Gestalt annimmt: Kindheit als Beispiel eines Formgebungsprozesses, bei dem man nicht weiß, wohin die Entwicklung geht und wer die Form und Richtung bestimmt. In ihren Arbeiten beharrt die Künstlerin auf Vorläufigkeit und Unvollkommenheit: Der Mensch als eine Skulptur im Entstehen.