Ulrike Feser


Ulrike Feser "Tourist"


Eröffnung am Freitag, den 29. Juni 2001 von 19-21 Uhr
Ausstellung vom 30. Juni - 11. August 2001
Öffnungszeiten Mi - Fr von 13-19 Uhr Sa von 13-18 Uhr


Mit der Ausstellung "Tourist" stellt die Galerie Kamm Ulrike Feser als neue Künstlerin der Galerie vor.
Ulrike Feser erforscht mit dem Medium Fotografie Bestandteile der Massenkultur und die damit
verbundenen kulturellen Projektionen.
In dem vor kurzem im Revolver Verlag erschienene Buch "repeat to fade" thematisiert sie z.B. Hawaii als Ort, der als ideale Natur und Projektionsfläche definiert und vermarktet wird.
Die Farbfotografien in der Ausstellung "Tourist" zeigen Los Angeles in der Weise, wie Ulrike Feser die Stadt als Fremde wahrgenommen hat. Mit dem Bewußtsein, daß Los Angeles von Grunde auf kinematografisch ist, beschränkt sie sich nicht darauf, die filmische Realität ein weiteres Mal zu verdoppeln. Zwischen Freeways und Betonfassaden stellen ihre Fotografien die Frage, ob und wie hier Menschen leben können.

Ihre Annäherung an Los Angeles ist nicht die eines Reisenden, der von der Peripherie in das Zentrum eintaucht. Die Fotografien zeigen ein Los Angeles, bei dem keine Gesamtansicht möglich scheint, und ein Zentrum, wo der Besucher ankommt, nicht auszumachen ist. Dieses Los Angeles ist ein autonomer Verkehrsraum, der kein Draussen und kein Drinnen kennt.
Die Künstlerin hat ihre Fotos vom Auto aus geschossen. Dementsprechend sind die Motive: andere Fahrzeuge, Reste einer Natur am Straßenrand oder Betonsäulen von Überführungen.
"Der Blick aus dem fahrenden Auto ist die Zuspitzung der urbanen Erfahrung - ein Sehen das sich vom Handeln abgekoppelt hat. Großstädte bieten eine Fülle von verlockenden Oberflächen, die sich im gleichen Moment verschliessen, in dem sie sich zeigen. Sie bieten Orte ohne Halt, auf denen man sich nicht niederlassen kann, um das Privileg einer persönlichen Perspektive zu genießen. Sie bieten Situationen, denen es an räumlicher und zeitlicher Ausdehnung fehlt, und die somit jedes entschiedene Eingreifen vereiteln.
Man muß aber nicht in der Passivität verbleiben. Ulrike Fesers Fotografien stellen einen Versuch dar, aus der Nachträglichkeit heraus eine Haltung zu rekonstruieren, die im Augenblick der Aufnahme als bloße Möglichkeit vorhanden war. Wo ansonsten die Reise mit ihrer Geschwindigkeit zusammenfällt, wo sich Eindruck an Eindruck reiht, kurz aufblitzt, um dann in einem formlosen Konglomerat zu verschwimmen, und wo sich Erinnerung letztendlich als Erschöpfungszustand der Wahrnehmung herausstellt, beharrt sie darauf: dieses da, dieser ganz konkrete Ausschnitt aus dem Strom von Eindrücken hat mich fasziniert und soll jetzt mein Interesse an Los Angeles anschaulich machen." Robert Pitterle